Lackierung, Karosserie und Felgen
Veröffentlicht am 19. Juli 2026 · zuletzt aktualisiert am 28. August 2026 / in Projekte
Warum Politur und Hagelreparatur zur Volllackierung führten
Nach der ersten Restaurierungsphase wurde der vorhandene Lack zunächst aufgearbeitet und poliert. Das Ergebnis zeigte, was sich noch erhalten ließ, machte aber ebenso deutlich, dass eine Politur den gealterten Zustand nicht dauerhaft ausgleichen konnte. Gleichzeitig mussten die vorhandenen Hagelschäden fachgerecht beseitigt werden. Die anschließende Volllackierung war deshalb keine spontane optische Aufwertung, sondern die Konsequenz aus Lackzustand und Hagelreparatur.
Windschutzscheibe 2023 erneuert
Bereits im Februar 2023 wurde im Zuge der ersten Restaurierungsarbeiten die Windschutzscheibe erneuert. Ihre Kennzeichnung lässt sich genauer lesen: Saint-Gobain Sekurit nennt den Hersteller. Die römische Ziffer II steht nach UN-Regelung Nr. 43 für eine normale Verbundglas-Windschutzscheibe. E6 bezeichnet Belgien als Staat der europäischen Typgenehmigung; 43R-000553 ist die zugehörige Genehmigungsnummer nach dieser Regelung. PVB Laminated weist auf den Verbund aus Glasschichten mit einer PVB-Zwischenschicht hin. DOT-, AS1- und TIS-Angaben sind zusätzliche Kennzeichnungen für weitere Zulassungsräume. Aus dem sichtbaren Punktcode wird hier bewusst kein Herstellungsjahr abgeleitet.
Einordnung der Kennzeichnung: UN-Regelung Nr. 43 zur Sicherheitsverglasung und Saint-Gobain Sekurit: Anforderungen an Fahrzeugverglasung.
Wenn Lackierung, dann richtig
Vor der Lackierung wurden Karosserieflächen, Öffnungen und Anbauteile sorgfältig vorbereitet. Die beseitigten Hagelschäden und der gealterte Lack sollten nicht durch eine punktuelle Lösung kaschiert werden.


Vom Einschichtlack zum Zweischichtaufbau
Der ursprüngliche Tornadorot-Lack von 1991 war als Einschicht-Unilack ausgeführt: Farbpigmente, Bindemittel und Schutzfunktion lagen gemeinsam im Decklack; eine separate Klarlackschicht gab es nicht. Nach Jahrzehnten im Freien zeigten sich die typischen Folgen der Alterung deutlich. Die Oberfläche war oxidiert, kreidig und rau geworden, der Glanz ließ sich durch Polieren nur noch begrenzt zurückholen und das Rot wirkte stellenweise matt und aufgehellt.
| Merkmal | Altzustand 1991 | Neuzustand nach 2023 |
|---|---|---|
| Lackaufbau | Einschicht-Unilack ohne separaten Klarlack | Farbgebender Basislack und darüber 2K-Klarlack |
| Farbwirkung | Durch Alterung matt, kreidig und aufgehellt | Satteres Tornadorot mit größerer Tiefenwirkung und Glanz |
| Schutz | Farbpigmente liegen in der zugleich schützenden Decklackschicht | Klarlack übernimmt den wesentlichen Schutz gegen UV-Strahlung, Witterung sowie chemische und mechanische Belastung |
| Pflege | Beim Polieren wird unmittelbar an der pigmentierten Schicht gearbeitet | Die Klarlackschicht lässt sich pflegen und bei Bedarf vorsichtig polieren, ohne direkt Farbpigmente abzutragen |
Der neue Aufbau ist deutlich widerstandsfähiger und farbstabiler als der gealterte Einschichtlack. Er macht den Lack jedoch nicht unverwundbar: UV-Strahlung, Schmutz, ungeeignete Waschmethoden und feine Kratzer können auch Klarlack langfristig beanspruchen. Schonende Handwäsche, saubere Waschwerkzeuge und regelmäßige Lackpflege bleiben deshalb wichtig.
Technische Einordnung: Autolack21: Einschicht- und Zweischichtsysteme. Die dort beschriebene Schutzwirkung moderner Klarlacke wird auch von BASF Coatings als Funktion der obersten Lackschicht eingeordnet. Die konkrete Ausführung am Golf beruht auf der dokumentierten Fachlackierung von 2023.
Unterbodenschutz als Teil der Substanzerhaltung
Die sichtbare Lackierung war nur ein Teil der Maßnahme. Auch der Unterboden erhielt neuen Schutz. Damit wird die Karosseriesubstanz dort konserviert, wo Feuchtigkeit, Straßenschmutz und Steinschlag wirken.

Dachzierleisten aus Cuxhaven
Zum Zeitpunkt der Lackierung waren passende Dachzierleisten kaum erhältlich. Die alte Leiste ließ sich nach der Lackierung nicht mehr sauber montieren. Benötigt wurden deshalb knickfreie Originalteile aus einem geschlachteten Golf. Ich holte sie persönlich in Cuxhaven ab, weil bei diesen langen Leisten unbeschädigter Zustand und sichere Handhabung entscheidend waren.
Inzwischen werden sowohl die linke als auch die rechte Dachzierleiste für den zweitürigen Golf II wieder nachproduziert. Für die linke Ausführung ist die Teilenummer 191 853 705 dokumentiert.
Zeitgenössische Original-Alufelgen aus 1991
Die alten Stahlräder wurden durch aufgearbeitete originale VW-Alufelgen im Hockenheim-Design ersetzt. Entscheidend war nicht ein modernes Felgendesign, sondern eine zum Golf passende Lösung aus seinem Ursprungsjahr 1991.
Die Felge besitzt die Größe 5,5J × 13 Zoll, Einpresstiefe ET38 und den Lochkreis 4 × 100. Die VW-Teilenummer lautet 191 601 025H. Als ursprüngliche Farbkombination werden VW L091 Chromsilber und glänzendes Schwarz beschrieben.
Schutz im Freien
Der Golf stand bei meiner Mutter rund 30 Jahre ohne Garage oder Carport im Freien. Das hatte vor allem Folgen für Lack und Hagelschäden, zeigt aber auch, dass eine Dauerabdeckung nicht automatisch die einzige Lösung ist. Eine gepolsterte Hagelschutzplane nutze ich zeitweise bei konkreter Hagelgefahr, nicht als dauerhaft dicht abschließende Hülle.

Praxisentscheidung: Bei längeren Standzeiten sind Atmungsaktivität, Luftzirkulation und Sichtkontrollen wichtiger als eine dauerhaft dicht anliegende Hülle. Der eigenständige Fachartikel Oldtimer-Golf: Schutzplane und Feuchtigkeit erläutert die Erfahrungen und Abwägung ausführlich.
Persönliche Unterstützung
Dieser Artikel vermittelt die fachlichen Grundlagen. Wenn Sie die beschriebenen Methoden auf einen konkreten Bestand oder ein bestehendes System übertragen möchten, finden Sie ergänzende Informationen unter Dienstleistungen.