Lackierung, Karosserie und Felgen

Veröffentlicht am 19. Juli 2026 · zuletzt aktualisiert am 28. August 2026 / in Projekte

Warum Politur und Hagelreparatur zur Volllackierung führten

Nach der ersten Restaurierungsphase wurde der vorhandene Lack zunächst aufgearbeitet und poliert. Das Ergebnis zeigte, was sich noch erhalten ließ, machte aber ebenso deutlich, dass eine Politur den gealterten Zustand nicht dauerhaft ausgleichen konnte. Gleichzeitig mussten die vorhandenen Hagelschäden fachgerecht beseitigt werden. Die anschließende Volllackierung war deshalb keine spontane optische Aufwertung, sondern die Konsequenz aus Lackzustand und Hagelreparatur.

Der rote VW Golf II CL nach der Lackpolitur, aber vor der späteren Volllackierung
Zwischenstand nach der Lackpolitur im Februar 2023: Der alte Tornadorot-Lack gewann sichtbar an Glanz. Die Politur reichte dennoch nicht als dauerhafte Lösung; zusammen mit der Beseitigung der Hagelschäden führte der dokumentierte Zustand später zur Volllackierung. Foto: Eric Beuchel.

Windschutzscheibe 2023 erneuert

Bereits im Februar 2023 wurde im Zuge der ersten Restaurierungsarbeiten die Windschutzscheibe erneuert. Ihre Kennzeichnung lässt sich genauer lesen: Saint-Gobain Sekurit nennt den Hersteller. Die römische Ziffer II steht nach UN-Regelung Nr. 43 für eine normale Verbundglas-Windschutzscheibe. E6 bezeichnet Belgien als Staat der europäischen Typgenehmigung; 43R-000553 ist die zugehörige Genehmigungsnummer nach dieser Regelung. PVB Laminated weist auf den Verbund aus Glasschichten mit einer PVB-Zwischenschicht hin. DOT-, AS1- und TIS-Angaben sind zusätzliche Kennzeichnungen für weitere Zulassungsräume. Aus dem sichtbaren Punktcode wird hier bewusst kein Herstellungsjahr abgeleitet.

Kennzeichnung der im Jahr 2023 erneuerten Saint-Gobain-Sekurit-Windschutzscheibe des VW Golf II
Die Markierung belegt eine Saint-Gobain-Sekurit-Verbundglasscheibe mit PVB-Zwischenschicht und europäischer Genehmigung nach UN-Regelung Nr. 43. Aufnahme vom 17. Februar 2023, Foto: Eric Beuchel. Vollansicht per Klick.

Einordnung der Kennzeichnung: UN-Regelung Nr. 43 zur Sicherheitsverglasung und Saint-Gobain Sekurit: Anforderungen an Fahrzeugverglasung.

Wenn Lackierung, dann richtig

Vor der Lackierung wurden Karosserieflächen, Öffnungen und Anbauteile sorgfältig vorbereitet. Die beseitigten Hagelschäden und der gealterte Lack sollten nicht durch eine punktuelle Lösung kaschiert werden.

Der VW Golf II CL ist beim Lackierer vollständig abgeklebt und für die Lackierung vorbereitet
Beim Lackierer: Karosserieflächen vorbereitet, Anbauteile und Öffnungen sorgfältig abgeklebt. Aufnahme vom 2. Juni 2023, Foto: Eric Beuchel, CC BY-NC-SA 4.0.
Der VW Golf II CL ist in der Lackierkabine rundum sorgfältig für die vollständige Lackierung vorbereitet
Wenn Lackierung, dann richtig: Die Vorbereitung umfasst Front, Dach und Seitenflächen. Aufnahme vom 2. Juni 2023, Foto: Eric Beuchel, CC BY-NC-SA 4.0.

Vom Einschichtlack zum Zweischichtaufbau

Der ursprüngliche Tornadorot-Lack von 1991 war als Einschicht-Unilack ausgeführt: Farbpigmente, Bindemittel und Schutzfunktion lagen gemeinsam im Decklack; eine separate Klarlackschicht gab es nicht. Nach Jahrzehnten im Freien zeigten sich die typischen Folgen der Alterung deutlich. Die Oberfläche war oxidiert, kreidig und rau geworden, der Glanz ließ sich durch Polieren nur noch begrenzt zurückholen und das Rot wirkte stellenweise matt und aufgehellt.

MerkmalAltzustand 1991Neuzustand nach 2023
LackaufbauEinschicht-Unilack ohne separaten KlarlackFarbgebender Basislack und darüber 2K-Klarlack
FarbwirkungDurch Alterung matt, kreidig und aufgehelltSatteres Tornadorot mit größerer Tiefenwirkung und Glanz
SchutzFarbpigmente liegen in der zugleich schützenden DecklackschichtKlarlack übernimmt den wesentlichen Schutz gegen UV-Strahlung, Witterung sowie chemische und mechanische Belastung
PflegeBeim Polieren wird unmittelbar an der pigmentierten Schicht gearbeitetDie Klarlackschicht lässt sich pflegen und bei Bedarf vorsichtig polieren, ohne direkt Farbpigmente abzutragen

Der neue Aufbau ist deutlich widerstandsfähiger und farbstabiler als der gealterte Einschichtlack. Er macht den Lack jedoch nicht unverwundbar: UV-Strahlung, Schmutz, ungeeignete Waschmethoden und feine Kratzer können auch Klarlack langfristig beanspruchen. Schonende Handwäsche, saubere Waschwerkzeuge und regelmäßige Lackpflege bleiben deshalb wichtig.

Technische Einordnung: Autolack21: Einschicht- und Zweischichtsysteme. Die dort beschriebene Schutzwirkung moderner Klarlacke wird auch von BASF Coatings als Funktion der obersten Lackschicht eingeordnet. Die konkrete Ausführung am Golf beruht auf der dokumentierten Fachlackierung von 2023.

Unterbodenschutz als Teil der Substanzerhaltung

Die sichtbare Lackierung war nur ein Teil der Maßnahme. Auch der Unterboden erhielt neuen Schutz. Damit wird die Karosseriesubstanz dort konserviert, wo Feuchtigkeit, Straßenschmutz und Steinschlag wirken.

Unterbodenschutz wird am angehobenen VW Golf II aufgebracht
Der Unterbodenschutz wird als Teil der Karosserieerhaltung aufgebracht. Foto: Eric Beuchel.

Dachzierleisten aus Cuxhaven

Zum Zeitpunkt der Lackierung waren passende Dachzierleisten kaum erhältlich. Die alte Leiste ließ sich nach der Lackierung nicht mehr sauber montieren. Benötigt wurden deshalb knickfreie Originalteile aus einem geschlachteten Golf. Ich holte sie persönlich in Cuxhaven ab, weil bei diesen langen Leisten unbeschädigter Zustand und sichere Handhabung entscheidend waren.

Knickfreie schwarze Dachzierleiste am roten VW Golf II CL
Eine der knickfreien originalen Dachzierleisten, die ich selbst in Cuxhaven aus einem geschlachteten Golf abgeholt habe. Aufnahme vom 29. Mai 2023, Foto: Eric Beuchel. Vollansicht per Klick.

Inzwischen werden sowohl die linke als auch die rechte Dachzierleiste für den zweitürigen Golf II wieder nachproduziert. Für die linke Ausführung ist die Teilenummer 191 853 705 dokumentiert.

Zeitgenössische Original-Alufelgen aus 1991

Die alten Stahlräder wurden durch aufgearbeitete originale VW-Alufelgen im Hockenheim-Design ersetzt. Entscheidend war nicht ein modernes Felgendesign, sondern eine zum Golf passende Lösung aus seinem Ursprungsjahr 1991.

Die Felge besitzt die Größe 5,5J × 13 Zoll, Einpresstiefe ET38 und den Lochkreis 4 × 100. Die VW-Teilenummer lautet 191 601 025H. Als ursprüngliche Farbkombination werden VW L091 Chromsilber und glänzendes Schwarz beschrieben.

Altes Stahlrad mit Gebrauchsspuren am roten VW Golf II CL
Der vorherige Zustand mit Stahlrad und sichtbaren Gebrauchsspuren. Aufnahme vom 20. Juni 2023, Foto: Eric Beuchel.
Aufgearbeitete silberne originale Volkswagen-Alufelge für den VW Golf II
Aus einer alten Originalfelge wurde durch die Aufarbeitung wieder eine neuwertig wirkende Alufelge. Aufnahme vom 4. Juli 2023, Foto: Eric Beuchel.
Rückseite der VW-Alufelge mit eingeprägter Jahreskennzeichnung 91
Die eingeprägte Kennzeichnung „91“ belegt das zum Fahrzeug passende Ursprungsjahr 1991. Aufnahme vom 7. Juli 2023, Foto: Eric Beuchel.

Schutz im Freien

Der Golf stand bei meiner Mutter rund 30 Jahre ohne Garage oder Carport im Freien. Das hatte vor allem Folgen für Lack und Hagelschäden, zeigt aber auch, dass eine Dauerabdeckung nicht automatisch die einzige Lösung ist. Eine gepolsterte Hagelschutzplane nutze ich zeitweise bei konkreter Hagelgefahr, nicht als dauerhaft dicht abschließende Hülle.

Der VW Golf II CL steht vorübergehend unter einer silbernen Hagelschutzplane
Die gepolsterte Plane dient dem zeitweiligen Hagelschutz. Aufnahme vom 22. Juni 2023, Foto: Eric Beuchel.

Praxisentscheidung: Bei längeren Standzeiten sind Atmungsaktivität, Luftzirkulation und Sichtkontrollen wichtiger als eine dauerhaft dicht anliegende Hülle. Der eigenständige Fachartikel Oldtimer-Golf: Schutzplane und Feuchtigkeit erläutert die Erfahrungen und Abwägung ausführlich.

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Persönliche Unterstützung

Dieser Artikel vermittelt die fachlichen Grundlagen. Wenn Sie die beschriebenen Methoden auf einen konkreten Bestand oder ein bestehendes System übertragen möchten, finden Sie ergänzende Informationen unter Dienstleistungen.