Excire und XMP: Warum die KI in meinem Fotoarchiv nur lesen darf

Veröffentlicht am 26. August 2026 · zuletzt aktualisiert am 6. Oktober 2026 / in Fotografie

Inhaltsübersicht

Kurz gesagt

Excire ist für mich ein leistungsfähiges Werkzeug zur lokalen Analyse und Suche in großen Bildbeständen. In meinem produktiven Fotoarchiv darf es weder Mediendateien noch produktive XMP-Sidecars verändern.

Der Grund ist ein eigener Vorher-Nachher-Test: Beim erneuten Schreiben eines bestehenden XMP-Sidecars waren zuvor vorhandene Metadaten anschließend nicht mehr vollständig vorhanden. Die damalige Support-Kommunikation bestätigte, dass die vorgesehene Anhängefunktion in der getesteten Konstellation nicht wie erwartet arbeitete.

Das ist keine pauschale Aussage über jede Excire-Version. Es ist ein dokumentierter Praxisbefund, aus dem ich eine dauerhafte Sicherheitsregel abgeleitet habe:

Excire findet. digiKam pflegt. Bilddatei und XMP bilden die Archivschicht.

Eingesetzte Produktversion

Die am 26. August 2026 dokumentierte, von mir eingesetzte Fassung war Excire Foto 2027, Version 5.0.2+a142e064 (Stand: 26.08.2026).

Versionsdialog von Excire Foto 2027 mit Version 5.0.2+a142e064
Am 26. August 2026 dokumentierte eingesetzte Version: Excire Foto 2027, Version 5.0.2+a142e064 (Stand: 26.08.2026). Zum Vergrößern anklicken.

Der Screenshot belegt den aktuellen Produktstand. Aussagen über einen konkreten Schreibfehler werden dennoch nur auf die jeweils tatsächlich getestete Konstellation bezogen.

Nicht die KI ist das Problem

Bei KI-Bildverwaltungen wird meist gefragt, wie gut Motive, Personen oder ähnliche Aufnahmen erkannt werden. Für ein Langzeitarchiv ist eine andere Frage wichtiger:

Ist nach einem Schreibvorgang alles noch vorhanden, was vorher in der Datei oder im Sidecar stand?

Ein Programm darf Bilder analysieren, einen eigenen Suchindex aufbauen und Vorschläge machen. Sobald es jedoch vorhandene Archivmetadaten zurückschreibt, greift es in die dauerhafte Datenbasis ein. Dann reicht es nicht, nur die neu hinzugekommenen Stichwörter zu kontrollieren.

Warum das XMP-Sidecar zum Archiv gehört

In meinem Fotoarchiv ist eine Programmdatenbank nicht die dauerhafte Quelle der Wahrheit. Langfristig relevante Angaben sollen in offenen und übertragbaren Strukturen erhalten bleiben. Dazu gehören beispielsweise:

  • Beschreibungen und Stichwörter,
  • Personeninformationen,
  • Bewertungen und Farbmarkierungen,
  • Copyright- und Rechteangaben,
  • Aufnahmezeit und Geodaten,
  • weitere IPTC- und XMP-Strukturen.

Gerade bei proprietären RAW-Dateien ist das XMP-Sidecar deshalb keine entbehrliche Hilfsdatei. JPEG, TIFF und DNG dürfen nach meiner aktuellen Speicherregel gepflegtes XMP eingebettet erhalten. Bereits vorhandene Sidecars bleiben trotzdem geschützt; daraus entsteht keine automatische Schreibfreigabe für Excire. Es ist Bestandteil des Archivs. Einen verlorenen KI-Index kann man neu berechnen; jahrelang manuell gepflegte Metadaten lassen sich oft nicht rekonstruieren.

Was Excire laut Hersteller vorsieht

Die öffentliche Excire-Dokumentation beschreibt eine zunächst sinnvolle Trennung: Analyseinformationen und Stichwörter liegen nach dem Hinzufügen und Analysieren zunächst nur in der Excire-Datenbank. Erst der ausdrückliche Befehl Foto → Metadaten speichern schreibt sie in Bilddateien oder XMP-Sidecars.

Für RAW-Dateien verwendet Excire Sidecars. Bei JPEG und DNG wird standardmäßig direkt in die Bilddatei geschrieben, sofern nicht die Sidecar-Einstellung verwendet wird.

Besonders wichtig ist die Einstellung „Inhalt eines Metadaten-Arrays anhängen“. Laut Hersteller werden vorhandene Stichwörter nur bei aktivierter Option ergänzt; andernfalls werden sie beim Speichern überschrieben. Die dokumentierte Voreinstellung ist das Überschreiben.

Schon diese Sollbeschreibung zeigt: Der Menüpunkt „Metadaten speichern“ ist kein neutraler Sicherungsvorgang. Er kann den vorhandenen Metadatenbestand verändern.

Mein Test: Entscheidend war der Altbestand

Im Test wurden die Metadaten vor und nach dem Excire-Schreibvorgang mit ExifTool verglichen. Verwendet wurden unterschiedliche Dateikonstellationen, darunter JPEG, TIFF, DNG sowie RAW mit vorhandenem XMP-Sidecar.

Die Prüffrage lautete nicht nur:

Sind die neuen Excire-Metadaten angekommen?

Sondern vor allem:

Ist alles Alte noch da?

Beim Neuschreiben eines bestehenden Sidecars waren im anschließenden Vergleich Metadaten nicht mehr vollständig vorhanden. Auffällig waren damals unter anderem Strukturen aus XMP-xmp:Label und XMP-tiff.

Damit ging der Befund über eine gewollte Ersetzung einer Stichwortliste hinaus. Wenn ein Programm ein XMP-Dokument neu schreibt und dabei Strukturen verliert, die es selbst nicht benötigt oder vollständig verarbeitet, entsteht ein Integritätsrisiko.

Die genaue damalige Programmversion und die vollständigen Testprotokolle müssen für einen versionsbezogenen Retest erneut zusammengeführt werden. Deshalb behaupte ich nicht, dass jede heutige Excire-Version dasselbe Verhalten zeigt. Bis ein reproduzierbarer Retest das Gegenteil belegt, bleibt mein produktiver Bestand jedoch schreibgeschützt.

„XMP-kompatibel“ bedeutet nicht automatisch verlustfrei

Ein Programm kann XMP lesen und schreiben, ohne jedes vorhandene Feld oder jeden Namespace zu verstehen. Das ist zunächst normal. Kritisch wird es, wenn das Programm beim Zurückschreiben unbekannte Strukturen nicht unverändert erhält.

Für ein Archiv gilt deshalb:

Ein Programm muss ein vorhandenes Metadatum nicht verstehen, um es beim Schreiben bewahren zu müssen.

Eine reine Sichtprüfung reicht nicht aus. Das Foto kann normal aussehen, die Suche funktionieren und die neuen Stichwörter können sichtbar sein, obwohl andere XMP-Felder verschwunden sind.

Warum ich „Jugend forscht“ mehr glaube als einer Marketingabteilung

Herstellerinformationen sind wichtig: Sie erklären den vorgesehenen Sollzustand und helfen, Funktionen richtig zu bedienen. Sie ersetzen aber keinen reproduzierbaren Versuch mit bekannten Ausgangsdaten.

Meine persönliche Haltung ist deshalb bewusst zugespitzt:

Ich glaube „Jugend forscht“ mehr als einer Marketingabteilung.

Gemeint ist damit keine pauschale Abwertung eines Herstellers. Entscheidend ist die Methode: eine klare Frage stellen, eine kontrollierte Testumgebung aufbauen, Vorher und Nachher messen, Abweichungen dokumentieren und das Ergebnis auch dann akzeptieren, wenn es nicht zur Produktbeschreibung passt.

Marketing beschreibt, welchen Nutzen ein Produkt haben soll. Ein sauberer Versuch zeigt, was es unter den geprüften Bedingungen tatsächlich tut. Für die Datenintegrität eines Langzeitarchivs ist der zweite Befund maßgeblich.

Ein Backup ersetzt keine Integritätskontrolle

Ein Backup schützt vor dem Verlust eines bekannten Datenstands. Es verhindert aber nicht, dass eine unbemerkte Metadatenänderung in mehrere Sicherungsgenerationen übernommen wird.

Wer den Fehler erst Monate später entdeckt, besitzt möglicherweise mehrere einwandfreie Kopien des bereits veränderten Zustands. Deshalb braucht ein digitales Archiv beides:

  • Backup gegen Verlust,
  • Vorher-Nachher-Prüfung gegen unbemerkte Veränderung.

Meine heutige Rollenverteilung

Ebene Werkzeug oder Datenbestand Aufgabe
Archivschicht Bilddateien und XMP-Sidecars dauerhafte und übertragbare Informationen
Metadatenpflege digiKam kontrollierte Pflege bestätigter Archivmetadaten
KI- und Suchschicht Excire lokale Analyse, Suche und Vorschläge
Arbeitsindex Excire-Datenbank regenerierbare Komfort- und Suchdaten

Excire wird also nicht abgeschafft. Seine Stärken bei visueller Suche, Ähnlichkeitssuche und Wiederauffinden bleiben wertvoll. Es erhält lediglich keine Hoheit über die produktive XMP-Schicht.

Für Excire setzt eine erneute Bewertung der Schreibfunktion einen offiziell dokumentierten Fix und einen erneuten repräsentativen Vorher-/Nachher-Test einschließlich Rücklesen mit digiKam und ExifTool voraus. Ein Update allein ist keine Freigabe.

So teste ich neue Programme vor dem Schreibzugriff

Kein neues Programm darf produktive Archivmetadaten schreiben, bevor sein Verhalten mit Kopien geprüft wurde:

  1. Referenzdateien mit bekannten Metadaten bereitstellen.
  2. Bilddateien und Sidecars sichern und ihre SHA-256-Werte erfassen.
  3. Den vollständigen Metadatenbestand mit ExifTool ausgeben.
  4. Das Programm genau einen festgelegten Schreibvorgang ausführen lassen.
  5. Dateien, Prüfsummen und Metadaten erneut erfassen.
  6. Vorher und Nachher maschinell vergleichen.
  7. Besonders nach verschwundenen Feldern und Namespaces suchen.
  8. Erst danach über den produktiven Schreibzugriff entscheiden.

Ein solcher Test gehört in ein getrenntes Verzeichnis. Produktive Bilder und ihre Sidecars bleiben dabei unangetastet.

Fazit

Excire darf meine Bilder analysieren und mir helfen, sie wiederzufinden. Die dauerhafte XMP-Ablage bleibt jedoch unter der Kontrolle der dafür vorgesehenen Metadatenwerkzeuge.

Das ist keine Ablehnung von KI. Es ist die notwendige Trennung zwischen Werkzeug, Arbeitsindex und Archiv:

Software darf Komfort schaffen. Die Datenhoheit bleibt beim Archiv.

Quellen und weiterführende Artikel

Persönliche Unterstützung

Dieser Artikel vermittelt die fachlichen Grundlagen. Wenn Sie die beschriebenen Methoden auf einen konkreten Bestand oder ein bestehendes System übertragen möchten, finden Sie ergänzende Informationen unter Dienstleistungen.