Digitalisierung von Bildern und Negativen

In meinem privaten Fundus befinden sich Bilder und Negative von meinen Großeltern, meinem Vater, weiterer Verwandtschaft und natürlich von mir selbst. Diese Bestände sind über Jahrzehnte entstanden und besitzen für mich einen ideellen und dokumentarischen Wert, der deutlich über eine reine Nutzung für Veröffentlichungen hinausgeht.

Daraus ergab sich früh die Frage, zu welchem Zweck diese Bilder digitalisiert werden sollen und welche Anforderungen sich daraus an Arbeitsweise, Qualität und Dateiformate ergeben.

Alte Fotos und Fotoalbum als Ausgangspunkt der Digitalisierung
Alte Fotos und Fotoalben bilden den Ausgangspunkt der Digitalisierung und langfristigen Archivierung.

Digitalisierungsbereich

Für welchen Zweck

Im privaten Bereich haben sich für mich im Laufe der Zeit unterschiedliche Prioritäten herausgebildet, die sich auch in verschiedenen Arbeitsweisen widerspiegelten. Dazu gehörten unter anderem variierende Scanauflösungen, unterschiedliche dpi-Zahlen sowie automatische oder manuelle Nachbearbeitungsschritte.

Heute steht für mich nicht mehr die kurzfristige Nutzung einzelner Bilder im Vordergrund, sondern der Aufbau eines belastbaren digitalen Archivs. Bilder werden daher grundsätzlich als Rohdaten gesichert und nur dann weiterverarbeitet, wenn dies für eine konkrete Nutzung erforderlich ist.

Die Archivierung erfolgt in Formaten wie TIFF oder DNG. Erst beim gezielten Export aus dem Archiv, beispielsweise für Veröffentlichungen, werden die Bilder in abgeleitete Formate wie JPG umgewandelt. Für die Verwaltung, Sichtung und Verschlagwortung des Archivs kommen digiKam und Excire zum Einsatz.

Reines Archiv erzeugen

Für die Digitalisierung nutze ich SilverFast als zentrale Scan-Software. SilverFast ist dabei ausschließlich für die Erfassung der Bilddaten zuständig und spricht die eingesetzten Scanner jeweils korrekt an.

Konkret kommen SilverFast 9 und SilverFast HDR 9 zum Einsatz. Beide Scanner werden direkt über SilverFast angesprochen; SilverFast 9 dient der eigentlichen Scanneransteuerung und Erfassung der Rohdaten. SilverFast HDR 9 wird für die spätere Arbeit mit den erzeugten HDRi-/Rohdaten genutzt, ohne dass das Ausgangsmaterial erneut gescannt werden muss.

Vereinfacht gesagt: SilverFast 9 steuert die Scanner direkt an und erzeugt die möglichst vollständige digitale Ausgangsdatei. SilverFast HDR 9 nutzt diese Datei später wie ein digitales Negativ, um Farbe, Tonwerte und Details erneut zu interpretieren, ohne das Originalmaterial noch einmal anfassen zu müssen.

Dank SilverFast und der verwendeten Geräte nutze ich das HDRi-Verfahren mit 64-Bit Farbtiefe beziehungsweise 32-Bit für Schwarzweiß. Die Scanner liefern Rohdaten, die sämtliche lesbaren Bildinformationen enthalten. Zusätzlich werden, sofern technisch verfügbar, Informationen aus dem Infrarotkanal eingebettet.

Diese Rohdaten bilden die Ausgangsbasis für alle weiteren Bearbeitungsschritte, unabhängig davon, wann, wie oder mit welcher Software die Bilder später verarbeitet werden. Ziel ist es, eine möglichst vollständige und unverfälschte digitale Repräsentation des Originals zu erzeugen.

Warum dieser Aufwand

Papierbilder halten unter günstigen Bedingungen etwa 50 bis 100 Jahre. Archive wie das Bundesarchiv Deutschland sichern das kulturelle Gedächtnis auf Mikrofilm für Zeiträume von mehreren hundert Jahren und können dieses Material bei Bedarf erneut digitalisieren.

Ungeahnte technische Möglichkeiten in der zukünftigen Bildbearbeitung erfordern bereits heute entsprechende Maßnahmen bei der Datenerfassung. Je vollständiger und hochwertiger die Rohdaten sind, desto größer ist der spätere Handlungsspielraum.

Hauptscangerät ist bei mir ein Epson Perfection V850 Pro. Er übernimmt vor allem Auflichtvorlagen, Papierbilder und größere Vorlagen sowie Film- und Negativmaterial, wenn die flexible Flachbett- und Durchlichteinheit sinnvoller ist als ein reiner Kleinbildscanner.

Der Epson V850 Pro ist damit das universelle Arbeitsgerät im Digitalisierungsworkflow. Eine technische Einordnung findet sich unter anderem bei filmscanner.info zum Epson Perfection V850 Pro.

Den Nikon Super Coolscan 5000 ED habe ich bereits zum Zeitpunkt seines Erscheinens erworben und früh für die Digitalisierung meiner Dias eingesetzt. Dieses Schätzchen ist bei mir weiterhin produktiv im Einsatz und läuft heute noch in meinem Workflow unter Windows 11.

Der Coolscan 5000 ED ist ein spezialisierter Kleinbild-Filmscanner mit hoher optischer Auflösung, Infrarotabtastung und Digital ICE. Gerade für Dias und Kleinbildnegative bleibt er deshalb ein wertvolles Werkzeug, wenn es um hochwertige Rohdaten für ein langfristiges Fotoarchiv geht.

Zusätzlich kam ein Epson-Scanner zum Einsatz, der ebenfalls über Digital ICE zur Staub- und Kratzererkennung verfügt. Über SilverFast werden beide Scanner jeweils korrekt angesprochen und in den Archiv-Workflow eingebunden.

Ergänzend kamen Verfahren wie Digital ROC zur Farbrestauration, Digital GEM zur Reduzierung von Filmkorn sowie Digital DEE zur Verbesserung der Detailzeichnung in Lichtern und Schatten zum Einsatz.

Weiterführende Einordnungen zum Nikon Coolscan 5000 ED: photoinfos.com, filmscanner.info und Wikipedia.

Die so erzeugten DNG-Bestände werden regelmäßig überprüft und bei Bedarf in neue Speicherumgebungen migriert, um langfristige Lesbarkeit und Integrität sicherzustellen.

TIFF nach DNG im praktischen Workflow

Für die Umwandlung geeigneter TIFF-Dateien in DNG nutze ich den kostenfreien Adobe Digital Negative Converter. Der Einsatz erfolgt bewusst als zusätzlicher Arbeitsschritt im Archiv und nicht als Ersatz für die ursprünglichen Scandateien.

Die TIFF-Dateien bleiben im Verzeichnis Bilder-Rohdaten erhalten. Sie bilden weiterhin den ursprünglichen, unveränderten Scanbestand. Die daraus erzeugten DNG-Dateien dienen als einheitlicheres, langfristig nutzbares Arbeits- und Archivformat.

Die Konvertierung erfolgt mit zurückhaltenden Einstellungen: Kompatibilität ab Camera Raw 16.0, mittlere JPEG-Vorschau, eingebettete Schnellladedaten, keine verlustreiche Komprimierung, keine Einbettung der Originaldatei und keine Änderung der Pixelanzahl. Dadurch bleibt der Vorgang nachvollziehbar und vermeidet unnötige Eingriffe in die Bildsubstanz.

Zusätzlich entstehen heute auch direkt DNG-Dateien aus moderner Aufnahmetechnik. Mein iPhone 16 Pro Max kann ebenfalls DNG-Bilder erzeugen. Diese Dateien werden im Archiv ebenfalls als digitale Negative behandelt und entsprechend in die bestehende Struktur eingeordnet.

Ablage der Scanbestände

Die Ablage ist bewusst einfach gehalten und trennt Rohdaten, spezielle Teilbestände und das nutzbare Bildarchiv voneinander.

Bilder-Rohdaten
CB-Funk_QSL_Karten_ab_1976
Bilder-Archiv

Bilder-Rohdaten enthält die ursprünglichen Scandaten. CB-Funk_QSL_Karten_ab_1976 ist ein gesonderter dokumentarischer Teilbestand. Bilder-Archiv dient als geordnete Arbeitsebene für sichtbare, erschlossene und weiter nutzbare Bildbestände.

Größenordnung des Bildarchivs

Eine aktuelle Auswertung des Bestands zeigt, dass es sich nicht mehr um eine kleine Fotosammlung handelt, sondern um ein gewachsenes digitales Archiv mit mehreren zehntausend Dateien. Die Verteilung der Formate macht zugleich sichtbar, welche Rollen die einzelnen Dateitypen im Archiv übernehmen.

Format Anzahl Einordnung
JPG 29.466 Nutzungs-, Export- und Alltagsformat
RAW-DNG 21.491 Rohdaten und digitale Negative
HEIF/HEIC 746 Mobile Endbildformate, vor allem aus Smartphone-Beständen
MOV 508 Bewegte Bilddokumentation
PNG 237 Grafiken, Screenshots und technische Bilddateien
TIFF 35 Hochwertige Einzeldateien und spezielle Archivstände
WAV 7 Begleitende Audiodateien
WEBP 1 Einzelfall aus Web- oder Exportkontext

Der ausgewertete Gesamtbestand umfasst 55.727 Dateien. Besonders auffällig ist das Verhältnis zwischen JPG-Dateien als nutzbaren Ausgabeformaten und RAW-DNG-Dateien als archivischer Substanz. Genau diese Trennung bestätigt den gewählten Ansatz: Rohdaten bewahren, Arbeits- und Veröffentlichungsformate davon ableiten.

Fazit: Der Aufwand bei der digitalen Archivierung von Bildern und Negativen ist hoch. Betrachtet man jedoch Materialalterung, technische Veränderungen und zukünftige Nutzungsmöglichkeiten, ist dieser Ansatz für mich die einzig nachhaltige Lösung.