Dateibenennung im Familienarchiv
Veröffentlicht am 29. Juni 2026 · zuletzt aktualisiert am 9. August 2026 / in Fotografie
Inhaltsübersicht
Kurz gesagt
Ein dauerhaft nutzbares Fotoarchiv braucht Dateinamen, die unter Windows, auf
dem NAS, in Bilddatenbanken und auf einem Linux-Webserver gleich funktionieren.
Deshalb werden vollständige Dateinamen einschließlich Endung kleingeschrieben.
Deutsche Umlaute werden vorher als ae, oe, ue und ss umgesetzt.
Der Dateiname identifiziert die Datei und zeigt bei Bedarf ihre archivische Rolle. Personen, Orte, Ereignisse, Programme und Bearbeitungsschritte gehören dagegen in XMP/IPTC. Die Metadaten haben fachlich Vorrang.
Geeignet für: private Foto- und Familienarchive, digitalisierte Fotos,
Negative, KI-bearbeitete Bilder und Videos
Lesezeit: ca. 4 Minuten
Woher diese Regeln stammen
Das hier verwendete Schema ist keine allgemeingültige Norm. Es ist eine aus der praktischen Arbeit mit Windows, NAS, Linux-Webservern, Bilddatenbanken und XMP-Sidecars entwickelte Hausregel. Sie verbindet etablierte Archivgrundsätze mit einer bewusst einfachen und langfristig lesbaren Dateibenennung.
| Bestandteil | fachliche Grundlage |
|---|---|
| Originale unverändert erhalten | etablierter Grundsatz der digitalen Archivierung |
| Beschreibung und Herkunft in XMP/IPTC | Verwendung standardisierter Metadatenfelder |
| gemeinsamer Stammname für Mediendatei und Sidecar | technisch notwendige Zuordnung der Begleitdatei |
| Datum, Uhrzeit und stabile Kennung | eigene Ordnung für chronologische und eindeutige Dateinamen |
img, vid, gen |
eigene, bewusst knappe Medienklassifikation |
_ai, _edit, _norm, _preview |
eigene Rollen für abgeleitete Fassungen |
| ASCII und Kleinschreibung | Vorsichtsregel für den Austausch zwischen unterschiedlichen Systemen |
XMP/IPTC standardisiert die Speicherung von Metadaten, schreibt aber dieses
Dateinamensschema nicht vor. Insbesondere gen und _ai sind keine offiziellen
Normkürzel. Sie wurden gewählt, um vollständig erzeugte Bilder und generativ
veränderte reale Ausgangsbilder bereits außerhalb einer Datenbank unterscheiden
zu können. Die ausführliche fachliche Beschreibung bleibt trotzdem in den
Metadaten.
Die Regel auf einen Blick
yyyymmdd_hhmmss_identifier
[_rolle] [-nn].ext
| Bestandteil | Bedeutung | Beispiel |
|---|---|---|
yyyymmdd_hhmmss |
Aufnahmezeitpunkt oder bestmöglich belegter Archivzeitpunkt | 20260605_190802 |
identifier |
Medienart aus drei Buchstaben und fünf Ziffern | img00023 |
_rolle |
optionale Funktion eines Derivats | _ai |
-nn |
weitere Fassung derselben Rolle | -01 |
.ext |
tatsächliches Dateiformat, kleingeschrieben | .jpg |
Typische Namen sind:
| Dateiart | Dateiname |
|---|---|
| Foto | 20260605_190802_img00023.jpg |
| Video | 20260605_190802_vid00024.mp4 |
| KI-Derivat | 20260605_190802_img00023_ai.png |
| zweite KI-Fassung | 20260605_190802_img00023_ai-01.png |
| vollständig erzeugtes Bild | 20260809_003500_gen00025.png |
Warum die Schreibweise bewusst konservativ ist
Moderne Systeme beherrschen Umlaute und Großbuchstaben meist problemlos. Nicht alle Produkte befinden sich jedoch auf demselben technischen Stand. Windows behandelt Groß- und Kleinschreibung gewöhnlich anders als ein Linux-Webserver; Unicode-Zeichen können beim Synchronisieren, Entpacken oder Veröffentlichen unterschiedlich codiert werden. Bilddatenbanken wie digiKam oder Excire speichern zudem Pfade zum physischen Bestand.
Die Regel folgt deshalb dem kleinsten verlässlichen gemeinsamen Nenner der gesamten Verarbeitungskette – ähnlich der bewussten Verwendung von TIFF statt eines neueren Formats, wenn langfristige Lesbarkeit wichtiger ist als die modernste Einzellösung.
Vor der Kleinschreibung gilt:
| Ausgang | Dateiname |
|---|---|
ä, Ä |
ae |
ö, Ö |
oe |
ü, Ü |
ue |
ß |
ss |
Der ursprüngliche Name kann in XMP:PreservedFileName erhalten bleiben. Die
sprachlich richtige Schreibweise von Personen und Orten bleibt in den
Metadaten bestehen.
Identifier und feste Rollen
| Kennung | Verwendung |
|---|---|
img |
reales fotografisches oder bildliches Ausgangsobjekt |
vid |
Video |
gen |
vollständig synthetisch erzeugtes Bild ohne reales Ausgangsfoto |
_ai |
reales Ausgangsbild, dessen Inhalt wesentlich mit generativer KI verändert wurde |
_edit |
klassische Bearbeitung oder Retusche ohne generative KI |
_norm |
technisch normalisierte Fassung ohne beabsichtigte inhaltliche Änderung |
_preview |
verkleinerte Vorschau, nicht die führende Archivdatei |
Die Rollenliste bleibt bewusst geschlossen. Personen, Orte, Dateiformate,
Programme und einzelne Arbeitsschritte werden nicht in den Namen aufgenommen.
Mehrere Fassungen derselben Rolle erhalten -01, -02 und so weiter.
Unspezifische Zusätze wie (1), _a oder _b werden nicht verwendet.
Frühere Zwischenkennungen wie kig und kib vermischten Medienart und
Derivatrolle. Heute erhält nur ein vollständig erzeugtes Bild den Identifier
gen. Ein KI-bearbeitetes Foto bleibt dagegen Teil der img-Bildfamilie und
trägt die Rolle _ai. Herstellerzusätze wie _chatgpt oder _gemini bleiben
außen vor, weil Programme wechseln und eine Datei mehrere Werkzeuge durchlaufen
kann.
Warum KI-Kolorierungen sichtbar gekennzeichnet werden
Bei historischen Schwarzweißaufnahmen ergänzt eine KI Farben, die im Ausgangsbild nicht überliefert sind. Das Ergebnis kann überzeugend wirken, ist aber kein sicherer Beleg für die damaligen Farben von Kleidung, Fahrzeugen oder Gebäuden.
| Fassung | Dateiname | Aussage |
|---|---|---|
| unverändertes Schwarzweißbild | 20200101_120000_img00023.jpg |
überliefertes Ausgangsbild |
| klassische Bearbeitung | 20200101_120000_img00023_edit.jpg |
konventionell bearbeitet |
| KI-Kolorierung | 20200101_120000_img00023_ai.jpg |
enthält generativ ergänzte Bildinformation |
Der Zusatz _ai warnt bereits außerhalb einer Bilddatenbank davor, das
Ergebnis ungeprüft als historische Tatsache zu behandeln. Welches System
verwendet wurde, wann die Bearbeitung entstand und welche Farben möglicherweise
durch andere Quellen bestätigt sind, wird genauer in XMP/IPTC dokumentiert.
Metadaten haben Vorrang
Der Dateiname bleibt eine robuste Kurzorientierung. XMP/IPTC dokumentiert die fachliche Wahrheit: Personen, Orte, Ereignisse, Rechte, Original–Derivat- Beziehungen, Bearbeitungsart, KI-System und vorhandene Unsicherheiten.
Ein Produktname allein beweist keine generative Bearbeitung. Widersprechen sich Dateiname, eingebettetes XMP und Sidecar, wird nicht automatisch umbenannt, sondern der Fall zur Prüfung zurückgestellt.
Vorrangregel: Der Dateiname gibt einen sichtbaren Hinweis. XMP/IPTC dokumentiert Herkunft, Beziehung und Unsicherheit vollständig.
Sidecars, Kollisionen und bestehende Archive
Ein XMP-Sidecar trägt denselben Stammnamen wie seine Mediendatei und wird beim Umbenennen, Kopieren oder Verschieben als deren Begleiter behandelt:
20260605_190802_img00023_ai.jpg20260605_190802_img00023_ai.xmp
Trifft ein berechneter Zielname auf eine vorhandene Datei, wird nichts überschrieben. Die Kollision wird protokolliert und blockiert. Vorschau, Sicherung und Protokoll gehören deshalb zu jeder Massenumbenennung.
Eine bestehende Sammlung wird nicht allein wegen einer neuen Regel umbenannt. digiKam, Excire, Webseiten und andere Datenbanken müssen weiterhin auf die tatsächlichen Dateien verweisen. Der praktische Ablauf ist im Artikel Bilder im Fotoarchiv standardisieren beschrieben.
Fazit
ASCII-kompatible Kleinschreibung und stabile Kennungen machen Archivdateien
über System- und Produktwechsel hinweg belastbarer. gen bezeichnet vollständig
synthetische Bilder; Rollen wie _ai oder _norm kennzeichnen Derivate.
Gerade die KI-Kolorierung zeigt den Nutzen: Eine überzeugende Darstellung ist noch kein historischer Beleg. Der Dateiname warnt, die Metadaten erklären, und das unveränderte Original bleibt erhalten.
Weiterführend
- Bilder im Fotoarchiv standardisieren
- Metadaten im Fotoarchiv
- TIFF, DNG, HEIC oder JPG – wann welches Format?
- Die Wahrheit liegt auf der Festplatte
Persönliche Unterstützung
Dieser Artikel vermittelt die fachlichen Grundlagen. Wenn Sie die beschriebenen Methoden auf einen konkreten Bestand oder ein bestehendes System übertragen möchten, finden Sie ergänzende Informationen unter Dienstleistungen.